Psychoanalytische Modelle

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Psychoanalytische Modelle by Mind Map: Psychoanalytische Modelle

1. 6.2 Psychoanalytische Grundkonzepte

1.1. Psychoanalytische Motivationstheorien

1.1.1. Liebe, Sexualität und Libido nach Freud

1.1.1.1. Phasen der Triebtheorie Freuds

1.1.1.1.1. 1894-1911 Sexualtrieb vs. Ich- (selbsterhaltungs) Trieb

1.1.1.1.2. 1915-1920 Sexual- vs. Aggressionstrieb

1.1.1.1.3. Ab 1920 Eros (Lebenstrieb) vs Thanatos (Todestrieb)

1.1.1.2. Triebschicksale

1.1.1.2.1. Formen d. Abwehr gegen eigene Triebe (Verdrängung, Sublimierung, Verkehrung ins Gegenteil, Wendung gegen eigene Person)

1.1.1.3. Psychosexualität

1.1.1.3.1. von Beziehung zu Genitalien gelöst; umfassende nach Lust strebende Körperfunktion, nur sekundär Fortpflanzung; sexuelle Regungen = zärtliche und Freundschaftliche Gesten unter dem Begriff Liebe

1.1.1.4. Libido

1.1.1.4.1. Energie des Sexualtriebs, generelle psychische Energie, bindet & neutralisiert destruktive Energie der Aggression (bzw. d. Todestriebs Thanatos)

1.1.2. Neuere psychoanalytische Motivationstheorien

1.1.2.1. primäre objektsuchende Motivation nach Ferenczi, Fairbairn, Bowlby

1.1.2.2. primäre Objektliebe nach Balint: getrennt von sexuellen Zielen u. Partialtrieb

1.1.2.3. primäres Bindungsmotiv nach Bowlby

1.1.2.4. primäre Suche nach effektiver Affektregulierung

1.1.2.5. primäres Sicherheitsprinzip nach Sandler: Streben nach Sicherheit & Wohlergehen

1.1.2.6. motivationale Systeme nach Lichtenberg

1.1.2.6.1. 1. Notwendigkeit, physiolog. Bedürfnisse zu befriedigen 2. Bedürfnis nach Bindung und Verbundenheit 3. Bedürfnis nach Selbstbehauptung und Exploration 4. Bedürfnis aversiv zu reagieren durch Widerspruch/ Rückzug 5. Bedürfnis nach sinnl. Vergnügen und sexueller Erregung

1.1.2.7. Streben nach Autonomie nach Erikson, Metzos

1.1.2.8. Selbstwertregulation nach Kohut

1.1.2.9. Streben nach Bildung einer Identität nach Erikson, Thomä& Kächele

1.2. Freuds Theorie des unbewussten

1.2.1. bewusst

1.2.2. dynamisch unbewusst (unbewusst)

1.2.2.1. Vergangenheits- und Gegenwartsbewusstes

1.2.2.1.1. Vergangenheitsbewusstes

1.2.2.1.2. Gegenwartsbewusstes

1.2.2.2. Ziel: unbewusste Prozesse zur Regulierung v. inneren Konflikten

1.2.3. deskriptiv unbewusst (vorbewusst)

1.2.3.1. mentale Prozesse können durch Fokussierung d. Aufmerksamkeit leicht ins Bewusstsein gelangen

1.3. 6.2.3 Psychische Instanzen

1.3.1. Es

1.3.1.1. strebt nach unmittelbarer Befriedigung

1.3.1.2. Sitz der Triebe und Leidenschaften

1.3.2. Ich

1.3.2.1. Instanz des bewussten Planens, Handelns, Steuerns

1.3.2.2. Funktion: Abwehr --> Angst und Unlust einschränken; Harmonie zwischen Es, Ich und Überich herstellen

1.3.3. Überich

1.3.3.1. Träger der vermittelten moralischen Normen der Gesellschaft

1.3.3.2. im wesentlichen unbewusst, z.B. in Form von Schuldgefühlen

1.4. 6.2.4 Psychoanalytische Entwicklungsmodelle

1.4.1. "Die psychische Geburt des Menschen " - Margret Mahler

1.4.1.1. Stadien: autistisches, symbiotische, Trennungs-Individuationsphase

1.4.1.2. Thema: psychisches Wachstum des Kindes von Nicht-Differenzierung zwischen "Ich" und "Nicht-Ich" bis zur Individuation im Alter von 4 Jahren

1.4.2. Modell der Libido-Entwicklung

1.4.2.1. Orale Phase (0-18 Monate)

1.4.2.1.1. Lustgewinnung durch Welterkundung mit Mund (Lutschen, Saugen, ...)

1.4.2.2. Anale Phase (1,5 - 3 Jahre)

1.4.2.2.1. Lustgewinnung, z.B. durch Stuhlzurückgewinnung

1.4.2.2.2. Verlangen nach Kontrolle und Autonomiebestrebungen

1.4.2.3. Phallische Phase (3-5 Jahre)

1.4.2.3.1. Penis/ Klitoris

1.4.2.3.2. Höhepunkt: Ödipuskomplex (Gesamtheit der libidinösen und aggressiven Triebimpulse des Kindes seiner Eltern gegenüber)

1.4.2.4. Latenzphase (5-11/12 Jahre)

1.4.2.4.1. Vorläufiger Stillstand der Sexualentwicklung

1.4.2.4.2. Auftreten von Scham und moralischen Bestrebungen

1.4.2.4.3. Infantile Amnesie (Verdrängung der infantilen Sexualwünsche und inzestuösen Verliebtheiten)

1.4.2.5. Genitale Phase (12- Erwachsenenalter)

1.4.2.5.1. Beginn mit Pubertät

1.4.2.5.2. Zusammenfügung und Unterwerfung der Partialtriebe unter das "genitale Primat" --> Hervorgehen der erwachsenen (Psycho-)Sexualität

1.4.2.5.3. --> Fantasien werden durch vollgültige, reale Beziehungen abgelöst

1.5. 6.2.4.2 Internalisierungsprozesse und Entwicklung affektiver Kerne im Selbst

1.5.1. Internalisierungsprozesse

1.5.1.1. -> Aufbau einer psychischen Innenwelt und die Ersetzung von äußeren Handlungsregulationen durch subjektinterne Regulierung

1.5.1.2. Nach Schafer (1968): Internalisierung bezieht sich auf alle Prozesse, mit denen Subjekt reale oder vorgestellte Merkmale seiner Umgebung in innere Regulationen und Merkmale umwandelt

1.5.1.3. 3 Teilprozesse: -> Inkorporation ->Introjektion ->Introjekte haben konkret- realistischen Charakter; werden als innerlich anwesend erlebt (Schafer 1968) -> nach Kernberg 1975: Introjekte = Interaktionsrepräsentanzen bestehend aus 3 Teilen: Selbstbild, Objektbild und affektiver Interaktion zwischen beiden; Entstehen bei Affektzuständen höchster Intensität „Spitzenaffekten“ -> Entscheidender Einfluss auf Wahrnehmung und Handeln -> Identifizierung -> Integration der von der Außenwelt aufgenommenen Qualitäten in das Selbst; wenn z.B. das Überich zum integralen Bestandteil des psychischen Apparats geworden ist

1.5.2. Affekte

1.5.2.1. -> explizit oder implizit entscheidende Rolle bei Konzeptualisierungen der Entwicklung der Repräsentanzwelt eines Menschen -> Der Kern dessen, was verinnerlicht wird, besteht in der affektiven Qualität der Beziehung zwsichen Subjekt und Objekt

1.5.3. Daniel Stern (1998): Representations of Interactions that have been Generalized (RIG) -> Bildung psychischer Repräsentanzen wesentlich stärker nach Maßgabe realer Beziehungserfahrungen konzeptualisiert -> ist eine Art generalisierte Beziehungsepisode (=zum Prototyp erhobene Durchschnittserfahrung)

1.5.4. Daniel Stern: Phasen der Entstehung des Selbst -> Auftauchendes Selbst (ab 2./3. Monat - Lebensende -> Kern-Selbst (ab 7/9 Monat - Lebensende -> Subjektive Selbst (ab 15/18 Monat - Lebensende -> Verbale Selbst (ab 15/18 Monat - Lebensende -> Narratives Selbst (Weiterendewicklung des Verbalen Selbst; ca. 3./4. Lebensjahr - Lebensende => RIGs zentral für Entstehung des Selbstempfindens

2. 6.1 Strömungen

2.1. Ich-Psychologie

2.1.1. Fokus: Ich und Funktion

2.1.2. Strukturmodell: Ich = Steuerungs- und Vermittlungsfunktion, Es= Triebhafte Impulse, Überich=kontrollierende, zielsetzende Orientierung, Realität der Außenwelt

2.1.3. Psychische Erkrankungen: durch Stärke oder Schwäche einzelner Ich-Funktionen bestimmt

2.2. Objektbeziehungstheorie

2.2.1. durch Internalisierungsprozesse werden Beziehungserfahrungen zu verinnerlichten Objektbeziehungen und es entwickelt sich eine aus verschiedenen inneren und Selbst- und Objektrepräsentanzen bestehende innere Struktur

2.2.2. Selbst- und Objektrepräsentanzen= verzerrte Abbildung durch Umwandlungs- und Abwehrprozesse

2.2.3. Frühe Beziehungserfahrungen sind Ansätze für ähnliche Erfahrungen im späteren Leben

2.2.4. „Objekt“= nicht reale Person, sondern Abstraktionen/Repräsentanzen von anderen und sich selbst die im Inneren entstehen

2.2.5. Innere Objekte = durch Internalisierungsprozesse,äußere Objekte= durch Externalisierungsvorgänge

2.2.6. Psychische Erkrankung und Persönlichkeit entsteht durch die Art der Gestaltung sowie den Integrationsgrad der Selbst- und Objektrepräsentanzen

2.3. Triebtheorie

2.3.1. Menschliches Verhalten--> Ausdruck von Triebregungen

2.3.2. völlige Triebbefriedigung aufgrund von Umwelt nicht möglich

2.3.3. psychische Erkrankung: unangepasste Lösung zu Triebkonflikten

2.4. Selbstpsychologie- Heinz Kohut

2.4.1. Größter Unterschied zu Freuds Theorien

2.4.2. Konzepte des Narzissmus und des Selbst

2.4.3. Treibende Kraft ist es mit sich selbst im Einklang zu sein und Beziehungen mit der Umgebung zu schließen, die dem Selbst hilft

2.4.4. Narzissmustheorie= durch Störungen und Begrenzungen der mütterlichen Fürsorge kommt es zu Beeinträchtigungen des Narzissmus des Kindes -->Für den Ausgleich lässt das Kind ein Größen-Selbst und Selbstobjekt des idealisierten Elternbild entstehen, welche die Realität korrigiert und bei der Bildung des Selbst miteinbezogen wird

2.4.5. Störungen führen zu Unwert, die mit Selbstgefühlen abgewehrt werden -->Weiterentwicklung mit Intersubjektivitätstheorie: Zwischenbereich zw. 2 Subjekten/Subjektivitäten (Patient/Therapeut) wechselseitige Beeinflussung, Bezug auf Säuglingsforschung, die intersubjektive Entstehung psychischer Strukturen und Funktionen zeigen

3. 6.3.4. Zusammenfassung: Allgemeines psychoanalytisches Modell

3.1. psychoanalytische Sichtweise umfasst große Fülle aus Aspekten die für das Verständnis von psychischen und psychopathologischen Prozessen wichtig sind

3.2. Zentrale Kerndimension sind unbewusste Konflikte und strukturelle Integration

3.3. Störungen liegen meist im Mischverhältnis der Dimensionen vor

3.4. Verhältnis der Störungsaspekte bestimmt das weitere therapeutische Vorgehen maßgeblich

4. 6.3 Komponenten psychoanalytischer Störungen - drei miteinander in Wechselwirkung stehende Dimensionen

4.1. 6.3.1 pathogene Konflikte

4.1.1. neuere Konfliktkonzeptionen

4.1.1.1. OPD-Konflikt-Achse (Operationalisierte Dynamische Diagnostik) Bezieht sich auf 7 verschiedene Konflikte aufgrund von basalen Motiven, für jeden Konflikt wird ein aktiver und ein passiver Lösungsmodus beschrieben

4.1.1.1.1. Identitätskonflikt

4.1.1.1.2. Ödipaler Konflikt

4.1.1.1.3. Schuldkonflikt

4.1.1.1.4. Selbstwertkonflikt

4.1.1.1.5. Versorgung vs. Autarkie

4.1.1.1.6. Unterwerfung vs. Kontrolle

4.1.1.1.7. Abhängigkeit vs. Individuatin

4.1.2. Konfliktmodell nach Freud: Ursache von Konflikten liegt in seelischen Kräften, die in Konflikt geraten sind

4.1.2.1. noch in modernen psychodynamischen Modellen enthalten: frühe, unbewältigte Erfahrungen führen zu unbewussten Konflikten --> Entstehung einer Vulnerabilität für spätere psychische Störungen

4.1.2.2. Pathogener Konflikt zum einen auf bewusster und unbewusster Stufe: erst wenn Konflikt bewusst geworden, kann Wunsch bewältigt werden

4.1.2.3. Innerer Konflikt braucht Verstärkung um aktuell zu werden und eine Symptomatik / Neurose als "Konfliktlösung" zu entwickeln

4.1.2.4. Konflikte sind universal: Widerspruch von Lustprinzip und Triebaufschub. Es wird immer ein Triebaufschub oder -verzicht gefordert. Wenn dies gelernt wird: innerer Konflikt, wenn nicht: äußerer Konflikt (mit Autoritäten z.B.)

4.1.3. Vor Freud: Ursache von Konflikten / Neurosen sind meist durch Erblichkeit und Degeneration bestimmt

4.2. 6.3.2 psychoanalytische Persönlichkeitsmodelle

4.2.1. Inhaltlich definierte Typologien (Charaktertypen)

4.2.1.1. Basis: (Trieb)Konflikt- und Ich-Psychologie; Orientierung an Libidoentwicklung + neurotischen Stilen; Charakterzüge sind entweder Fortsetzungen der Triebe oder Reaktionsbildungen gegen sie

4.2.1.2. Charakterbildung: Impuls, Sozietät --> Konflikt--> Abwehr --> Charakter

4.2.1.2.1. Ergänzung Objektbeziehung: Triebunterdrückende oder triebbändigende Umwelt, Qualität der Beziehung zu Bezugsperson ist Charakterbildend;

4.2.2. Dimensionale Strukturmodelle

4.2.2.1. Basis: Ich-Psychologie und Objektbeziehung; Fokus auf psychischen Funktionen --> Inhaltliche Motive sind zweitrangig, Beschreibung der Qualität des psychischen Funktionierens, Schweregrad der Charakterpathologie wird am Ausmaß psychologischer der strukturellen Beeinträchtigung festgemacht

4.2.2.2. Persönlichkeitsorganisation nach Kernberg

4.2.2.2.1. Set an psychischen Funktionen (Entwicklung aus Temperament und Beziehungserfahrungen)

4.2.2.3. Strukturkonzept in der OPC

4.2.2.3.1. Aufrechterhaltung der inneren Gleichgewicht, Gestaltung der Objektbeziehung hinreichend befriedigend ermöglichen

4.2.2.3.2. Vier basale psychische Fähigkeiten: Selbstwahrnehmung/Objektwahrnehmung, Selbstregulierung/Regulierung des Objektbezugs, Kommunikation nach innen/außen, Bildung an inneren/äußeren Objekten; --> Basale Funktionen haben jeweils einen Innenbezug und Außenbezug --> Acht Strukturdimensionen

4.2.2.4. Konzept der Mentalisierung

4.2.2.4.1. Beschreibung zentraler struktureller psychischer Dimensionen, Ableitung aus Theory of Mind

4.2.2.4.2. Mentalisierung: Vorstellung mentaler Zustände im eigenen Selbst und in anderen Menschen

4.2.2.4.3. Operationalisierung: Reflective Function Scale, Konzept spielt bei Affektregulierung eine zentrale Rolle --> mentalisierte Affektivität

4.3. 6.3.3 Repräsentanzen und Beziehungsmuster

4.3.1. Freud: wesentliches Elemeten bei Gestaltung aktueller Beziehungen: Nachbildungen und Neubildungen

4.3.2. repetitive Beziehungsmuster

4.3.2.1. - Niederschläge früherer Erfahrungen werden dargestellt - haben starke Wirkungsmacht - beeinflussen wiederholt Erleben und Verhalten

4.3.3. zyklisch-maladaptive Muster (Strupp & Binder, 1984)

4.3.3.1. - Erwartungen an andere leiten sich aus Introjektion ab - positive Erwartungen (Wünsche) blockiert - negative Erwartungen (Befürchtungen) wirken sich auf Verhalten aus - eigenes Verhalten beeinflusst Verhalten (Reaktion) der anderen - Reaktion anderer bestätigt vorhandene Erfahrungen

4.3.4. Ursprung

4.3.4.1. - verinnerlichter Erfahrung - nicht ohne Rückgriff auf Gedächtnis möglich - früh entstandene Repräsentanzen: prozeduale Gedächtnis

5. 6.4. Emotionen in psychoanalytischen Modellen

5.1. Moderne Theorien trennen Triebe/Motive von Affekten/Gefühlen/Emotionen

5.2. Im Vordergrund steht funktionale Wechselwirkung von Trieben, Gefühlen, Abwehrprozessen und Symptombildung

5.2.1. 6.4.1. Triebe und Affekte heute

5.2.1.1. Mittlerweile überwiegen die Arbeiten, die Affekte als eigenständige Phänomene betrachten (vgl. Westen 1997). Bei Freud galten sie noch als Epiphänomene von Triebprozessen.

5.2.1.2. Affekte können Werkzeuge zur Bewältigung der Situation im Hinblick auf das Motiv sein

5.2.1.2.1. 6.4.2. Abwehr als Form der Affektregulierung

5.2.1.3. Ebenfalls Bestand hat ein affektiv begründetes "Lustprinzip" Die daraus hervorgehenden Handlungen sind weitgehend unbewusst beeinflusst (vgl. Westen 1997)

6. 6.4.3. Liebe, Sexualität, Körper und Affekt

6.1. Freud differenzierte Liebe noch sehr, je nachdem zwischen wem sie stattfand (elterliche Liebe, Liebesbeziehung etc.)

6.2. Moderne Theorien tuen sich mit einer Differzenierung wesentlich schwerer, weshalb häufig von einer "Verdrängung des Sexuellen" aus der Psychoanalyse gesprochen wird