Landwirtschaftlicher Beitrag zum RROP LK Vechta

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Landwirtschaftlicher Beitrag zum RROP LK Vechta by Mind Map: Landwirtschaftlicher Beitrag zum RROP LK Vechta

1. Struktur und Bedeutung der Landwirtschaft im LK Vechta

1.1. Flächennutzung

1.1.1. Landwirtschaft mit 66% der LK Fläche größter Flächennutzer

1.1.2. seit 1979 Zunahme der Fläche um 13%

1.2. Wirtschaftsleistung

1.2.1. Bruttowertschöpfung von 2000 bis 2016 um 31% gestiegen (Vgl.: Niedersachsen 9%)

1.3. Strukturen

1.3.1. Durch Strukturwandel in der Landwirtschaft Rückgang landwirtschaftlicher Betriebe im LK Vechta (2001 noch 1960 Betriebe, 2016 noch 1140 Betriebe)

1.3.2. Trotz Strukturwandel Zunahme von Erwerbstätigen in der Landwirtschaft (2000 bis 2016 Zugewinn von 1900 Arbeitsplätzen auf 6500)

1.3.3. Arbeitsplätze schwerpunktmäßig in den Sektoren ackerbauliche Produktion (Spargel-, Erdbeer-, und Gemüseanbau) und Tierhaltung (Veredelung: Schweine- und Geflügelhaltung)

1.4. Besitzverhältnisse

1.4.1. Der überwiegende Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis Vechta (Quelle LSKN) sind im Familienbesitz befindliche Einzelunternehmen.

1.4.2. Im Rahmen dieses Sondererbrechtes wird der Hof als Ganzes dem Erben übertragen, während die weichenden Erben einen Abfindungsanspruch (Bemessung nach dem Einheitswert) haben.

1.4.3. Hofnachfolgesituation bei Gartenbaubetrieben sowie bei den rindviehhaltenden Betrieben kritisch zu bewerten (70% der über 45 jährigen Befragten Landwirte haben derzeit keinen Nachfolger im Bereich der Veredelung sind es 60%)

1.4.4. Alternativen zur familieninternen Hofnachfolge: Übergabe an Dritte, Verpachtung der Flächen, Verkauf

1.5. Wasserwirtschaft

1.5.1. Grundwasserschutz: Auf der Grundlage des Niedersächsischen Wassergesetzes hat sich das sogenannte „Kooperationsmodell zum Trinkwasserschutz“ entwickelt.

1.5.2. Im Landkreis Vechta dienen ca. 50 % der registrierten Grundwasserentnahmen der öffentlichen Wasserversorgung, weitere ca. 22 % für Gewerbe und Industrie. Für die Bewässerung einiger landwirtschaftlichen Flächen werden 14 % der Grundwasserentnahmen eingesetzt, für die Tierhaltung ca. 8 %.

1.6. Flurneuordnungen

1.6.1. Im Bereich des Landkreises Vechta hat es seit dem Jahr 2000 insgesamt fünf Flurbereinigungsverfahren gegeben, die entweder abgeschlossen oder eröffnet wurden. Hinzu kommen freiwillige Landtausche.

1.7. Flächennutzung Betriebe

1.7.1. Im Landkreis Vechta hat der überwiegende Teil der Betriebe eine Flächenausstattung von 20 bis 50 ha, dann gefolgt von den Betrieben mit einer Größe von 50 – 100 ha und liegt damit unter den Werten der Flächenausstattung von Niedersachsen und der Statistischen Region Weser-Ems. Ursachen können eine höhere Anzahl von landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieben, aber auch eine Spezialisierung im Bereich der Tierhaltung (Schweine, Geflügel) sein.

1.8. Tierhaltung

1.8.1. 696 (62 %) der im Landkreis ansässigen Betriebe haben sich auf den Bereich Veredlung spezialisiert, gefolgt von 515 (46 %) Betrieben mit Rinderhaltung. Als weiterer Produktionsschwerpunkt ist die Geflügelhaltung mit 190 (17 %)

1.8.2. Milchviehhaltung: Die Dichte eines Tierbestandes wird in Tiere/100 ha angegeben, dabei findet sich die größte Dichte der Milchkuhbestände Niedersachsens im Landkreis Leer. Der Landkreis Vechta befindet sich mit 10-20 Kühen/100 ha im unteren Bereich.

1.9. Nährstoffsituation

1.9.1. Der Nährstoffbericht Niedersachsen 2018 stellt fest, dass für den Landkreis Vechta potentiell ein Wirtschaftsdüngerüberhang vorliegt. Somit werden rund 25 % mehr landwirtschaftlich genutzte Flächen gedüngt, als im Landkreis Vechta vorhanden sind. Dabei ist ein gewisser Überhang an Nährstoffen für einen pflanzenbaulich optimalen Ertrag notwendig.

1.10. Ökologischer Landbau

1.10.1. 2016 wirtschaften im Landkreis Vechta 17 Betriebe auf einer Fläche von 543 ha nach den Kriterien des ökologischen Landbaues (LSN, Landwirtschaftszählung 2016/KÖN 2018). Ursache für den geringen Anteil der zertifizierten ökologisch wirtschaftenden Betriebe: lokal überdurchschnittlich hohe Pachtpreise

2. Ansprüche, Ziele und Leitbilder der Landwirtschaft im LK Vechta

2.1. Sicht der Akteure

2.1.1. Für diese Gespräche standen zur Verfügung: Kreislandvolkverband Vechta (Wilking/Willms) Landfrauenverband Vechta (Möhlmann, Jans-Wenstrup, Götting-Hubbermann) Universität Vechta (Schröder) NABU (Frye) Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) (Dierkes) Niedersächsische Geflügelwirtschaft (NGW) (Ripke) BBS Vechta (Schüler der Fachstufe 1) Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (Bartels)

2.1.2. In mehreren Gesprächen wurden folgende Inhalte thematisiert: Die Situation der Landwirtschaft hat sich deutlich verbessert. Die Betriebe spezialisierten sich, der Ausbildungsgrad der Betriebsleitungen stieg an. Es fand eine weitergehende Professionalisierung statt. Die Wirtschaftsweise verbesserte sich durch ressourcenorientiertes Wirtschaften auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Neben der Ökonomie ist die Ökologie Bestandteil des wirtschaftlichen Handelns. Die Voraussetzungen der innerfamiliären Hofübergabe sind nicht mit denen der Eltern-Generation vergleichbar. Hofübergaben werden einzelbetrieblich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet. Die Aufgabe eines Betriebes ist entsprechend der Lebensplanung der nächsten Generation eine Option. Durch den hohen Kapitaleinsatz und die instabilen Erzeugerpreise entsteht ein wirtschaftlicher Druck auf die Betriebe. Die kurzfristige Anpassung an neue rechtliche Vorgaben mit hohem Investitionsaufwand verschärft die Situation. Durch die Spezialisierung der Betriebe werden Nebeneinkünfte nur im geringen Umfang erwirtschaftet. Ein Verlust des Artenreichtums ist erkennbar. Die Landwirtschaft bemüht sich in Zusammenarbeit mit anderen lokalen Akteuren Maßnahmen durchzuführen, um die Artenvielfalt zu stabilisieren bzw. auszubauen. Flächen wurden für Kompensationsmaßnahmen dem Naturschutz zugeführt und der Bewirtschaftung entzogen. Öffentliche Debatte und politische Entscheidungen prägen das Bild der Landwirtschaft.

2.2. Entwicklungstendenzen/Potenziale

2.2.1. Es ist zu erwarten, dass mit der weiter steigenden Betriebsgröße und der damit verbundenen allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung die betrieblichen Umsätze in der Landwirtschaft insgesamt und damit auch die Umsätze bzw. die Verbindlichkeiten je Hektar landwirtschaftlicher Fläche steigen werden.

2.2.2. Der ländliche Raum in Deutschland ist insbesondere davon betroffen, dass unter anderem immer mehr junge Menschen in die städtischen Regionen abwandern. Im Landkreis Vechta ist dies nicht der Fall. So prognostiziert die Bevölkerungsvorausberechnung der Bertelsmann Stiftung eine Zunahme der Bevölkerung im Landkreis Vechta von 2012 – 2030 um ca. 4,7 %. Im Bereich der Jugendlichen zeigt sich eine deutliche Abnahme, während der Anteil der über 65-Jährigen deutlich ansteigt.

2.2.3. Für die Landwirtschaft ergeben sich zurzeit neue Bereiche, die je nach Ausbau, raumordnerisch von Belang sein können. Der Bereich der Bioproduktion (z. B Wasserlinsenproduktion für die Pharmaindustrie, Biomasseerschließung für die Biogasproduktion, Nutzung von Gärresten als Torfersatzprodukte) eröffnet für die nahe Zukunft neue Geschäftsfelder.

2.3. Nutzungskonkurrenzen

2.3.1. Auf die Landwirtschaft wirken unterschiedliche Faktoren. Die Fläche als Mittelpunkt landwirtschaftlichen Handelns wird von unterschiedlichen Akteuren beansprucht. Es werden Flächen aus der landwirtschaftlichen Produktion herausgenommen (Bauland, Sandentnahme), mit Bewirtschaftungsauflagen (Natur- und Wasserschutz) belegt oder als Erholungsraum genutzt. Flächennutzungskonkurrenzen zwischen: Wirtschaft, Landwirtschaft, Ausgleichsflächen, Siedlungsentwicklung, Infrastruktur, Tourismus/Erholung, Energieproduktion, Kilmaschutz biologische Vielfalt, Wasserschutz, Jagd, Wasser- und Bodenverbände

2.4. Image

2.4.1. Die Landwirtschaft wird als eine der tragenden Säulen der Wirtschaft im Landkreis Vechta gesehen. Die Bevölkerung nimmt die spezialisierte Tierhaltung differenziert wahr. Die ordnungsgemäße landbauliche Verwertung der Wirtschaftsdünger, insbesondere im Hinblick auf die Diskussionen über Nitrateinträge im Trinkwasser, werde hinterfragt. In den (überregionalen) Medien gebe es teilweise unsachgemäße Darstellungen. Fehlverhalten sollten öffentlich gemacht werden, ohne die Landwirtschaft im Allgemeinen in Misskredit zu bringen. Landwirtschaft ist ein Bestandteil der dörflichen Gemeinschaft. Es wurden eine ausbaubare Transparenz und ein Informationsdefizit angesprochen, welche durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit vermindert werden sollten. Aktive Vereinsarbeit oder Mitarbeit an örtlichen Aktionen binde die Landwirtschaft ein und festige ein positives Image. Gegenseitige Rücksichtnahme sei dringend notwendig und für die Landwirtschaft selbstverständlich. Die intensive Entwicklung der Tierhaltungsanlagen sei nicht für alle Bevölkerungsteile nachvollziehbar. Landwirtschaftsferne Personen würden diesen Anlagen kritisch gegenüberstehen. Die Landwirtschaft biete den Schulen Möglichkeiten zur Information (Betriebsbesichtigungen) und Diskussion an. Dieses Angebot würde sehr unterschiedlich aufgenommen.

2.5. Steuer- und Regelinstrumente der Landnutzung

2.5.1. Instrumente zur Umsetzung sind: 1. Regulativ a. Mengensteuerung (Neuausweisung Baugebiete) b. Standortsteuerung (Tabuzonen für bestimmte Flächennutzungen definieren) c. Anreizorientierte Maßnahmen (Ausrichtung von Förderschwerpunkten) d. Kooperative Maßnahmen im regionalen und kommunalen Flächenmanagement/interkommunale Kooperationen 2. Informativ a. Flächen-Monitoring-Tools bereithalten (Datenbereitstellung) b. Beratungsangebote

2.6. Leitbild

2.6.1. Die Landwirtschaft im Landkreis Vechta steht für die Bewahrung und Verbesserung der Artenvielfalt in den Agrarökosystemen, eine Vielfalt der Produktionssysteme und eine Diversifizierung der Betriebsstrukturen, eine flächengebundene Tierhaltung als Grundlage geschlossener Nährstoffkreisläufe, ein Schließen der Nährstoffkreisläufe in der Landwirtschaft durch überregionale Verbringung von Wirtschaftsdünger bei gleichzeitiger Reduzierung des entsprechenden Mineraldüngeraufwands, eine Nutzung umweltrelevanter Stoffe unter strenger Berücksichtigung der gesetzlichen Vorschriften (insbesondere Pflanzenschutzrecht, Tierarzneirecht), eine tiergerechte und gesellschaftlich akzeptierte Tierhaltung und für die Umsetzung des niedersächsischen Tierschutzplans, für einen Klimaschutz durch Verringerung der Emissionen aus der Tierhaltung für einen Ressourcenschutz durch umfassenden Einsatz von Wirtschaftsdüngern in Biogasanlagen, für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Ackerlandes zur Verringerung der durch Wind- und Wassererosion verursachten Verluste an fruchtbarem Oberboden, für die Erhaltung, Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft, für eine transparente landwirtschaftliche Erzeugung, und für einen Dialogprozess mit gesellschaftlichen Gruppen zu veränderten Ernährungsfragen und Landwirtschaftspolitik

3. Landwirtschaft im Regionalen Raumordnungsprogramm des LK Vechta

3.1. Im Landkreis Vechta bestehen derzeit 59 Landschaftsschutzgebiete oder Teile von Landschaftsschutzgebieten. Sie nehmen eine Fläche von gut 12.887 ha ein, das sind rund 15 % der Kreisfläche. 5.706 ha der Flächen in den Landschaftsschutzgebieten werden landwirtschaftliche genutzt.

3.2. In der Regionalplanung ist vorgesehen den Sektor Landwirtschaft zeichnerisch als Vorbehaltsgebiete darzustellen. In der Neufassung des LROP Niedersachsen aus dem Jahr 2017 wird die Möglichkeit eröffnet, für die Ausweisung als „Vorranggebiet Landwirtschaft“ ein entsprechendes Planzeichen zu beantragen (vgl. S. 163 ff).